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Rechte auf Facebook

Mehr als eine Milliarde Mitglieder weltweit nutzen Facebook als Onlinespeicher für ihre Werke. Nutzer laden täglich 300 Millionen Fotos hoch, berichtet der US-Branchendienst Cnet. Viele Bilder und Grafiken werden tausendfach geteilt.

Facebook lebt von Bildern. Allerdings sollte man wissen, dass die Bilder nicht Facebook ‚gehören‘!

Neben der Frage – „Was darf Facebook mit meinen Bildern und Inhalten machen?“ – sollte jeder, der auf Facebook aktiv mitmacht, wissen, was er selbst machen darf oder auch nicht. Denn viele Facebook-User wissen nicht, wann und wie sie sich durch das Posten fremder Bilder strafbar machen können. Damit dir eine Abmahnung oder gar Klage erspart bleibt, hier ein paar Onlinerin-Tipps.

 

Facebook ist kein rechtsfreier Raum!

Alle Werke unterliegen den Gesetzen des Urheber- und Persönlichkeitsrechts.

Das Urheberrecht behält jeder der sein Werk selbst herstellt bis zum Tod. Nach österreichischem und deutschem Recht kann er es im Normalfall nicht einmal vollständig auf andere übertragen.

Falsch: Der Nutzer verliert die Urheberrechte für Werke, die er auf Facebook postet. Dieser hartnäckige Hoax kursiert auf Facebook selbst.

Richtig: Der Nutzer räumt Facebook ein einfaches Nutzungsrecht für seine Inhalte ein. Der Umfang der eingeräumten Rechte ist allerdings nicht klar bestimmt!

Facebook ist nicht privat!

Die Verbreitung eigener Inhalte zu kontrollieren ist schwierig bis unmöglich.

Facebook ist für viele das digitale Wohnzimmer. Aber vorsicht – hier haben die Wände gespitze Ohren und viele scharfe Augen!

Jeder Freund hat Freunde hat Freunde … Was man vermeintlich nur im engen Kreis mitteilt, erreicht bei etwas gelockerten Privatsphären-Einstellungen recht schnell zehntausend Personen.

Wie Facebook selbst den Unterschied – Öffentlichkeit und privater Rahmen – absteckt ist unklar. Mit etwas schwammigen Formeln weist das Unternehmen die Urheberrechts-Verantwortung dem Nutzer zu.

Auf Facebook ist rechtlich gesehen viel Neuland!

Die glorreichen 7 Grundlagen für den Umgang mit Inhalten auf Facebook

1. Wichtig - Der Unterschied: Urheberrecht - Verwertungsrecht - Nutzungsrecht

  • Das Urheberrecht bezeichnet das subjektive und absolute Recht auf den Schutz geistigen Eigentums in ideeller und materieller Hinsicht. Das Urheberrecht als solches kann weder ganz noch teilweise übertragen werden.
  • Das Verwertungsrecht ist im Urheberrecht das ausschließliche Recht des Urhebers eines Werkes, es zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich auszustellen. Der Urheber kann anderen die Benutzung gegen oder ohne Vergütung erlauben oder verbieten. Er kann anderen Personen oder Organisationen Nutzungsrechte einräumen.
  • Nutzungsrechte können räumlich, zeitlich und inhaltlich beschränkt übertragen werden.
  • Nutzungsrechte können als einfache oder ausschließliche Nutzungsrechte eingeräumt werden.
  • Ein einfaches Nutzungsrecht berechtigt zur vertraglichen Nutzung durch den Nutzungsberechtigten, hindert den Urheber aber nicht an eigenen Verwertungshandlungen oder an der Einräumung weiterer einfacher Nutzungsrechte.
  • Ein ausschließliches Nutzungsrecht schließt den Urheber von eigenen Verwertungshandlungen sowie von der Vergabe weiterer Nutzungsrechte aus.

2. Welche Rechte überträgt der User an Facebook?

Die IP Lizenz von Facebook: „Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“).“

Was heisst das?

  • Unentgeltlich & Weltweit – Der Urheber kann von Facebook für die weltweite Nutzung seiner Werke kein Geld verlangen.
  • Nicht-exklusiv – Der Urheber kann mit seinen Werken außerhalb von Facebook weiterhin weitgehend machen, was er will. Der Nutzer darf seine Fotos also woanders veröffentlichen oder die Nutzungsrechte anderen verkaufen. Er kann aber anderen Personen keine „exklusiven“ oder „ausschließlichen“ Nutzungsrechte übertragen, so lange Facebook das oben genannte einfache Nutzungsrecht besitzt.
  • Übertragbar & Unterlizenzierbar – Theoretisch darf Facebook durch diesen Passus Dritten erlauben, die Werke eines Mitglieds zu nutzen und selbst Lizenzen hierfür erteilen. Wie weit das gehen darf, bleibt aber unklar, da die Nutzungsarten nicht konkret eingeschränkt werden. Hier greift in vielen Rechtssystemen die Vermutungsregel, wonach sich die Rechteeinräumung durch den Urheber allein auf den Vertragszweck erstreckt.
  • Was aber ist der Vertragszweck bei Facebook? – Logisch, dass Freunde die Fotos, die der Nutzer mit ihnen teilt, auch sehen dürfen. Doch darf Facebook beispielsweise einem anderen Unternehmen erlauben, ein Urlaubsfoto des Nutzers für eine Werbekampagne zu nutzen? Da wird es schwierig.
  • Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen – Der Nutzer könnte im Fall der ungewünschten Werbekampagne argumentieren, er hätte in seinen Einstellungen festgelegt, das Foto nur mit seinen Freunden zu teilen, nicht mit irgendeinem Unternehmen.
  • Der Nutzer teilt alle Inhalte auch mit Facebook! – Nicht nur die Freunde bekommen Zugang zu tollen Ferien-Fotos, sondern auch das Unternehmen Facebook. Das hat sich durch die IP-Lizenz eine Unterlizenzierung vorbehalten. Ausgehend von der oben genannten Vermutungsregel könnten dann alle Nutzungen für Facebook erlaubt sein, die der Betrieb des Sozialen Netzwerkes üblicherweise mit sich bringt. Noch ist unklar, was davon genau umfasst ist.
  • Gültigkeit der IP-Lizenz unklar – Das Feld ist neu und fallweise werden Gerichte bestimmen, wie weit Facebook gehen darf, wenn es Werke seiner Mitglieder verwendet und wie der anzunehmende Vertragszweck klar definiert wird.
  • Eine Frage des Vertrauens – Kann ich als Urheber mit den Nutzungsbedingungen in ihrer derzeitigen, recht vagen Form leben oder nicht? Es gibt auch recht gute Gründe anzunehmen, dass Facebook vorsichtig mit den Nutzungsrechten seiner Mitglieder umgehen wird. Facebook erklärt immer wieder, dass das Vertrauen der Nutzer elementar für das eigene Geschäftsmodell sei.
  • Der Nutzer und seine Daten sind selbst das Produkt. – Als börsennotiertes Unternehmen sollte Facebook Rendite erzielen. Mitarbeiter und technische Infrastruktur kosten viel Geld. Die User müssen sich die Frage stellen, wie das Unternehmen sein Geld verdient!
  • Eigene Werke im Auge behalten! – Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er darauf vertraut, dass Facebook mit seinen Werken sorgfältig umgeht. Wer Angst hat, sollte grundsätzlich keine eigenen Werke auf Facebook hochladen. Man kann aber auch für einen Erhalt der Erkennbarkeit der Urheberschaft sorgen. So kann man einfacher verfolgen wo die Inhalte verwendet werden um sich gegebenenfalls über unerwünschte Verbreitungen beschweren zu können. Neben einem „Copyright Vermerk“ in den Metadaten der betreffenden Datei können Fotos und Videos über ein digitales Wasserzeichen markiert werden.

3. Wichtig! Der Unterschied zwischen Teilen und Posten.

  • Posten heisst hochladen – Gepostet werden Bilder, Videos oder Songs, die man von Computer, Tablet oder Smartphone auf eine Pinnwand direkt hochlädt. Auch ein Text, den man direkt in eine Chronik oder auf eine Seite schreibt ist ein Posting. Postings können von anderen „geteilt“ werden.
  • Aufpassen beim Teilen – Nur wenn man sicher ist, dass jemand ein Bild rechtmäßig online gestellt hat, sollte man es auch teilen. Andernfalls könnte man sich strafbar machen.
  • Rechtmäßig heißt auch hier: Urheberrecht, Markenrecht und vor allem auch das Persönlichkeitsrecht müssen gewahrt sein und das Einverständnis des Rechteinhabers muss vorliegen.

4. Haftung für Urheberrechtsverstöße Dritter

Die Frage, ob Facebook-Nutzer als „Störer“ mithaften, wenn Dritte auf ihrem Profil einen Urheberrechtsverstoß begehen ist noch nicht geklärt.

  • Bilder an deiner Pinnwand machst du der Öffentlichkeit zugänglich. Empfehlenswert ist deshalb eine Sicherheitseinstellung, bei der nur Freunde auf deiner Pinnwand posten können. Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, sollte keine fremden Postings zulassen und alle fremden Bilder von seiner Pinnwand entfernen.
  • ABER – Grundsätzlich können private Facebook-Nutzer in Bezug auf Störerhaftung gelassen bleiben. – Man muss es anderen nicht prinzipiell untersagen, Inhalte auf der privaten Pinnwand zu posten, weil diese dort Urheberrechte verletzen könnten. Erst wenn Nutzer über rechtswidrige Inhalte informiert wurden und sie trotz dieser Kenntnis nicht entfernen, kann sie eine eigene Verantwortung treffen.
  • Achtung auf Seiten! – Auf einer Facebook-Seite, muss man jedoch auch die Posts seiner Fans und besonders Mit-Autoren kontrollieren und ggf. gepostete Inhalte entfernen.

5. Was kann ich unbedenklich posten?

  • Bilder, Videos und Texte, die du selbst erstellt hast kannst du selbstverständlich verwenden und verbreiten wie du willst.
  • Achtung auf die Persönlichkeitsrechte! – Allerdings müssen alle Personen die auf Bildern oder Videos erkennbar sind, einverstanden sein, dass sie öffentlich abgebildet werden.
  • Das Verlinken auf fremde Inhalte ist in der Regel kein Problem. Man kann die Adresse einer Internet-Seite – URL – in das Facebook-Eingabefeld „Status“ kopieren, den „Like“-Button unter einem Inhalt – Text, Video, Audio – drücken und diese Aktivität in seinem Profil anzeigen lassen oder Facebooks „Teilen“-Funktion nutzen, die sich oft bei Videos und Texten im Web befinden.
  • Strittig sind sogenannte Vorschaubilder, die auf Facebook automatisch aufscheinen, wenn man einen Inhalt verlinkt. Die Mini-Ausgabe des Original-Fotos erscheint neben der Überschrift und einem Textauszug. Die Vorschaubilder sind in der Regel urheberrechtlich geschützt. Man kann Vorschaubilder ganz entfernen oder durch eigene Bilder ersetzen.

6. Was ist bedenklich oder gar verboten?

  • Geschütze Werke – Bevor man ein Werk das man nicht selbst gemacht hat, auf Facebook publiziert, sollte man überprüfen, ob es durch ein Copyright geschützt ist. Wenn ja, sollte man es nicht posten.
  • Lizenz klären – Bei Bildern, die eine Creative Common-Lizenz haben, ist die Verbreitung häufig erlaubt. Trotzdem sollte man sicherheitshalber vor dem Publizieren des Fotos auf Facebook die Erlaubnis des Urhebers einholen.
  • Eigene Handyvideos, z.B. von Konzerten, Theaterbesuchen oder Sportevents sollte man nicht posten. In der Regel verbieten die Veranstalter die Verbreitung von Live-Mitschnitten. Auch die ausübenden Künstler haben Schutzrechte an ihren Darbietungen.
  • Videos, die Urheberrechte offensichtlich verletzen – zum Beispiel von der Kinoleinwand abgefilmte Blockbuster – sollte man nirgends verlinken, auch nicht auf Facebook.

7. Das geht ganz und gar nicht!

Egal ob selbst erstellt oder geteilt, folgende Dinge dürfen nicht verbreitet werden!

  • Beleidigungen, Diffamierungen und unwahre Tatsachenbehauptungen in Wort und Bild.
  • Diskriminierende und rassistische Postings.
  • Erkennbar strafbare Inhalte, etwa volksverhetzende Propaganda.
  • Private Fahndungsaufrufe
    Sie können zu einer Strafbarkeit führen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit entstehen zumindest zivilrechtliche Ansprüche. Persönlichkeitsrechte gelten selbstverständlich auch für Straftäter, Tatverdächtige oder gar Personen, gegen die nicht einmal ermittelt wird.
  • Bilder und Videos von Tieren oder Menschen die gequält oder gefoltert werden.
    Solche Medien dürfen nicht weiterverbreitet werden. Ihr einziger Sinn ist die Manipulation von Usern zur möglichst großen Verteilung. Den Opfern wird durchs Teilen in den allerseltensten Fällen geholfen. Obendrein verstößt man durch die Verbreitung meistens gleich gegen mehrere Gesetze
  • Klick-Aufrufe
    Für jeden Like zahlt Apple, Präsident Obama oder der Weihnachtsmann 1 Dollar.“ Ein Konzern oder eine öffentliche Person, die mit einer guten Tat glänzen will, wartet nicht auf LIKES. Die PR Berater sorgen anderwertig für Medienrummel. Bilder, die für solche Aufrufe verwendet werden, sind entweder mit Photoshop bearbeitet, oder stammen aus einem völlig anderen Zusammenhang und werden meistens ohne Einwilligung der abgebildeten Personen missbraucht.
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