Cluetrain Manifesto - die Onlinerin

Das Cluetrain Manifesto

1999 – das Web, wie wir es kennen, war noch ziemlich jung. Bill Gates hatte es gerade noch als Hype abgetan, als Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger das Clue Train Manifesto verfassten.  Oliver Baer, der schon früh über den „Marktplatz Internet“ knackige Texte publizierte, hat die Thesen übersetzt und sie dem Wirtschaftsmagazin Brandeins ans Herz gelegt.

Das Manifest sollte die Geschäftswelt wachrütteln

Um Unternehmern wie Gates zu zeigen, dass sie keine Ahnung „no clue“ haben, wurden die 95 Thesen aufgestellt. Ein Manifest des Marketings. In dem es um das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden und den bevorstehenden Machtverschiebungen durch die neuen Kommunikationswege des Internets geht.

1999 – zur Erinnerung

Die Einwahl ins Internet dauerte oft lang und bis eine Grafik im Briefmarken-Format am Bildschirm erschien, vergingen gefühlte Minuten. Unternehmen setzten nach wie vor auf TV-Spots oder versuchten sich mit Bannerwerbung im Internet. Der Dialog mit dem Kunden fand kaum statt. Der Begriff Content Marketing existierte noch gar nicht. In diesem Kontext betrachtet, erscheinen die Thesen des Clue Train Manifestos einigermassen prophetisch.

Die erste These, „Märkte sind Gespräche“, ist präsent geblieben

An die anderen Punkte erinnert man sich kaum noch. Der Prolog wird sowieso vergessen. Obwohl der Kern des gesamten Manifests darin formuliert ist:

„Wir sind keine Zuschauer oder Empfänger oder Endverbraucher oder Konsumenten. Wir sind Menschen – und unser Einfluss entzieht sich eurem Zugriff. Kommt damit klar.“

Individuen statt Zielgruppen

Das Problem des Marketings liegt im Wort Konsument. Unternehmen betrachten Menschen als ökonomische Einheiten, als demografische Zielgruppen – als Konsumenten. Ich habe aber noch nie jemanden getroffen, der von sich selbst sagt: Guten Tag, ich bin ein Konsument.

Nicht VERmarkten, am Markt teilnehmen

Menschen sagen: „Guten Morgen, ich hätte gerne ein Handsemmerl, nicht zu dunkel, bitte.“ „Hallo, ich suche Sandalen in Größe 42 …“ Kunden äussern ihre Wünsche und Bedürfnisse, wenn sie etwas haben wollen. Darauf gründet jedes gute Geschäft. Auch für Online-Marketing gilt: Kundenwünsche erfährt man nur, wenn man den Menschen zuhört.

Paradigmenwechsel

Das alte Paradigma von Edward Bernays – Werbebotschaften aussenden und damit Bedürfnisse wecken – gilt nicht mehr. Unternehmer, die heute am Markt bestehen wollen, müssen die Thesen des Cluetrain-Manifests ernst nehmen. Soziale Medien als Kundenservice und Menschen als Menschen betrachten: Was heute ganz normal scheint, war zur Zeit der Erstellung des Cluetrain Manifestos überaus radikal.

Cluetrain – ein Dokument mit Bestand

Brandeins, sprach mit Doc Searls und David Weinberger, zwölf Jahre nach dem Erscheinen ihrer Thesen.

“Habt Geduld! Es wird noch etwas dauern“

meinen die Autoren. Aber vieles sei bereits besser geworden und der Rest nur eine Frage der Zeit.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.